Dylan Dietrich hat das ATP Challenger in Sioux Falls gewonnen. Der 22-jährige Zürcher schlug im Final der MarketBeat Open den an Nummer 5 gesetzten Kanadier Liam Draxl mit 1:6, 6:3, 6:4. Es ist sein zweiter Challenger-Titel innert vier Wochen und sein zehnter Sieg in Folge. Ab Montag steht Dietrich erstmals in den Top 200 der Weltrangliste.
Schwacher Start, dann die Wende
Der Final begann schlecht für Dietrich. Nach dem 1:1 gewann Draxl fünf Games in Serie, nahm dem Schweizer zweimal den Aufschlag ab und holte sich den ersten Satz nach 31 Minuten.
Danach kippte die Partie. Beim Stand von 3:2 im zweiten Satz nahm Dietrich dem Kanadier erstmals den Aufschlag ab. Als er bei 5:3 zum Satzausgleich servierte, musste er noch einen Breakball abwehren.
Im Entscheidungssatz liess er gleich im ersten Game zwei Breakchancen liegen. Bei 3:3 klappte es dann. Das folgende Aufschlagspiel ging mehrmals über Einstand, Dietrich brachte es durch. Bei 5:4 servierte er zum Titel und nutzte nach 2 Stunden und 3 Minuten seinen ersten Matchball.
Zehn Siege in Serie
Die Serie begann Ende September in Columbus (Ohio). Dort gewann Dietrich ohne Satzverlust seinen ersten Challenger-Titel, im Final schlug er Abdullah Shelbayh 6:3, 6:2. Sioux Falls gehört eine Stufe höher zur Kategorie Challenger 100. Bis zum Final gab Dietrich auch hier keinen Satz ab:
- 1. Runde: 6:3, 7:5 gegen Colton Smith (USA)
- Achtelfinal: 6:3, 6:3 gegen Jenson Brooksby (USA, Nr. 1)
- Viertelfinal: 6:2, 7:5 gegen JJ Wolf (USA)
- Halbfinal: 6:4, 6:2 gegen Aidan Mayo (USA)
- Final: 1:6, 6:3, 6:4 gegen Liam Draxl (CAN, Nr. 5)
Gegen den topgesetzten Brooksby gelang ihm der erste Sieg seiner Karriere gegen einen Spieler aus den Top 100. Seit Anfang Juni hat Dietrich auf Profistufe 33 von 40 Partien gewonnen.
Von Rang 363 in die Top 200
Vor dem Turnier in Columbus stand Dietrich auf Rang 363. Mit dem ersten Titel ging es nach vorne, am 19. Oktober erreichte er mit Rang 252 ein Karrierehoch. Ab Montag wird er nun als Nummer 189 geführt, 65 Plätze besser als vor Sioux Falls.
Damit reicht sein Ranking erstmals für die Qualifikation der Grand-Slam-Turniere. Ein Platz in der Qualifikation der Australian Open im Januar ist ihm sicher. Dem College bleibt er trotzdem treu: Dietrich hat angekündigt, im Frühling nach Charlottesville zurückzukehren und mit Virginia den NCAA-Titel zu verteidigen.
Wer ist Dylan Dietrich?
Dietrich ist in Zürich aufgewachsen. Zum Tennis brachte ihn seine Grossmutter, seine Vorbilder waren Roger Federer, Stan Wawrinka und Juan Martín del Potro. Bei den Junioren kam er bis auf Rang 41 der ITF-Weltrangliste. Danach entschied er sich für den Weg über ein amerikanisches College.
An der University of Virginia studiert er Data Science und spielt für die Cavaliers. Die vergangene Saison war seine bisher beste. Im Mai holte er den entscheidenden Punkt zum NCAA-Teamtitel und wurde zum wertvollsten Spieler der Finalrunde gewählt. Mit Mans Dahlberg gewann er zudem den nationalen Doppeltitel. Der College-Tennisverband ITA kürte ihn zum Spieler des Jahres. Auch im Hörsaal läuft es: 2026 wurde er als Academic All-American des Jahres ausgezeichnet. Für seine Bachelorarbeit liebäugelt er mit einem ungewöhnlichen Thema, nämlich Kartentricks.
Seinen ersten ITF-Titel gewann Dietrich in Ljubljana. Im Sommer erreichte er am Challenger in Zug den Halbfinal und stand nach der Qualifikation an den Swiss Open in Gstaad erstmals in einem ATP-Hauptfeld. Dort verlor er gegen Jérôme Kym erst im Tiebreak des dritten Satzes. Als Orientierung für seinen Weg nennt er Rafael Jodar. Der Spanier kam ebenfalls über das College auf die Tour und steht heute in den Top 15 der Weltrangliste.
Wie geht es weiter
Lange feiern kann Dietrich nicht. Schon am Montag spielt er am Challenger in Charlottesville gegen den Amerikaner Marcos Giron. Das Turnier findet in seiner College-Stadt statt. Im letzten Jahr erreichte er dort den Viertelfinal und verlor gegen Jodar.
Mehr Schweizer Tennis
Dietrichs Titel passt in einen erfolgreichen Herbst für das Schweizer Tennis. Vor zwei Wochen gewann Mika Brunold das Challenger in Roanne, vor einer Woche Alexander Ritschard das Challenger in Lissabon. Alle Resultate der Schweizerinnen und Schweizer findest du unter Schweizer Tennis-Resultate.
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