Carlos Alcaraz spielt Ende Oktober in Wien. Nicht in Basel. Nicht an den Swiss Indoors, wo ihm laut Turnierdirektor Roger Brennwald ein Platz gewissermassen per Handschlag versprochen war. Ich gebe zu: Diese Meldung hat mich mehr geärgert, als sie es vielleicht sollte. Deshalb dieser Kommentar.
Ein Versprechen mit Ablaufdatum
Die Abmachung war einfach. Blick zitierte Brennwald bereits im letzten Jahr: Wenn Alcaraz je wieder im Oktober-Slot spielen will, dann in Basel. Ein klassisches Gentlemen's Agreement also. Kein Vertrag, keine Klausel, nur ein Wort unter Ehrenleuten. Genau darin liegt der Wert einer solchen Abmachung. Und genau deshalb ist sie in dem Moment nichts mehr wert, in dem sich eine bessere Gelegenheit bietet.
Wien-Direktor Herwig Straka sagt dazu: «Es ist alles sehr rasch gegangen und Carlos hat ohne grosses Zögern für Wien zugesagt.» Ohne grosses Zögern. Das ist der Teil, der mich am meisten stört. Ein kurzer Anruf nach Basel, ein Nachdenken über das gegebene Wort? Offenbar nicht nötig.
Basel hat das Zeitfenster verpasst
So sehr ich Alcaraz kritisiere: Die Swiss Indoors müssen sich auch an der eigenen Nase nehmen. Als klar war, dass der Six Kings Slam in Riad verschoben wird, öffnete sich im Kalender des Spaniers plötzlich eine Lücke. Wer in diesem Moment nicht sofort zum Telefon greift, überlässt das Feld der Konkurrenz. Wien hat reagiert, Basel nicht schnell genug. Ich finde das schade, gerade in einem Jahr, in dem die Swiss Indoors mit Stans Abschied ohnehin eine emotionale Ausgabe vor sich haben.
Natürlich spielt das Budget eine Rolle. Nach dem Saisonende von Jannik Sinner dürfte in Wien ein grösserer Betrag frei geworden sein. Brennwald sagt es selbst offen: «Da können wir nicht mithalten.» Aber es geht nicht nur ums Geld. Es geht auch um Tempo, Beziehungen und darum, im richtigen Moment präsent zu sein.
Ohne Riad-Verschiebung kein 500er
Man sollte sich nichts vormachen: Ohne die Verschiebung des Showevents in Saudi-Arabien hätte Alcaraz wohl gar keines der beiden 500er-Turniere gespielt. Weder Wien noch Basel. Der Plan war Riad, wie schon in den beiden Vorjahren. Das Millionen-Turnier ging vor. Wien ist für ihn also nicht die erste Wahl gegenüber Basel, sondern schlicht die Lösung für eine unerwartet freie Woche.
Der Kalender? Hat ja noch Luft
Und dann ist da noch der Dezember. Der Six Kings Slam findet nun eben gegen Ende Jahr statt, und auch das scheint für Alcaraz kein Problem zu sein. Der Spielplan ist ja bekanntlich nicht schon dicht genug. Die Spieler klagen über Verletzungen, über zu wenig Erholung, über eine Saison ohne Ende. Aber für ein lukratives Wochenende in der Wüste findet sich immer noch ein freier Termin.
Ich hätte da übrigens noch einen Vorschlag für die ATP: Warum nicht ab 2030 ein elftes Masters-Turnier einführen? Russland wäre doch ein charmanter Standort. Das Preisgeld stimmt bestimmt, und Hauptsache, der Kalender bleibt schön abwechslungsreich. Wer braucht schon eine Off-Season?
Basel braucht keinen Alcaraz, um gross zu sein
Bei aller Kritik: Die Swiss Indoors 2026 werden trotzdem ein Fest. Mit Stan Wawrinkas letztem Turnier, sechs Schweizern im Feld und einem Teilnehmerfeld, in dem alle 23 Direktqualifizierten in den Top 48 stehen. Basel braucht keinen Alcaraz, um gross zu sein. Aber ein bisschen mehr Verlass auf ein gegebenes Wort hätte dem Tennis gutgetan.
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