Gestern Wien, heute Basel. Keine 24 Stunden nachdem Carlos Alcaraz den Swiss Indoors den Rücken gekehrt hat, kommt die Antwort vom Rheinknie: Novak Djokovic spielt an den Swiss Indoors 2026. Die Zusage kam am Freitagnachmittag, die Swiss Indoors haben sie bestätigt. Und ich gebe zu: Ich habe beim Lesen kurz gegrinst.
Laut seinem Management hat der 24-fache Grand-Slam-Sieger «kurzfristig und sehr gerne» zugesagt. Sehr gerne. Zwei Wörter, die man in Basel diese Woche schon fast vermisst hatte.
Zurück nach 15 Jahren
Djokovic und Basel, das ist eine Geschichte mit Vergangenheit. Dreimal spielte er von 2009 bis 2011 in der St. Jakobshalle, zweimal stand er im Final gegen Roger Federer. 2009 holte er sich den Titel, und das in einem umkämpften Dreisätzer gegen den Lokalmatador in dessen eigenem Wohnzimmer. Das muss man in Basel auch erst einmal schaffen.
Kleines Detail am Rande: Auf dem Weg zu diesem Titel schlug er im Viertelfinal Stan Wawrinka. 17 Jahre später könnten sich die beiden in Basel wieder gegenüberstehen, diesmal an Stans Abschiedsturnier. Ein Drehbuchautor hätte es kaum besser schreiben können.
Mit 39 noch immer ein Titelkandidat
Wer glaubt, Djokovic komme nur für eine Ehrenrunde, irrt sich. Der Serbe ist aktuell die Nummer 8 der Welt und hat vor kurzem das 500er-Turnier in Peking gewonnen. In Shanghai folgte zwar eine Startniederlage, aber das ändert wenig: In Basel gehört er zum Kreis der Mitfavoriten, neben Ben Shelton, Félix Auger-Aliassime, Taylor Fritz und Vorjahressieger João Fonseca. Die jungen Wilden haben also noch einen Lehrmeister mehr im Feld.
Kein Schweizer verliert seinen Platz
Die beste Nachricht aus Schweizer Sicht kommt im Kleingedruckten. Djokovic erhält eine sogenannte A+ Wildcard, eine Einladung für absolute Topspieler, die sehr kurzfristig vergeben werden kann. Er nimmt damit keinem Schweizer den Platz weg.
Für Henry Bernet, Remy Bertola, Mika Brunold, Jérôme Kym und Dominic Stricker bleibt die Rechnung also gleich: zwei Wildcards fürs Hauptfeld, drei für die Qualifikation. Wer wo startet, soll Anfang nächster Woche bekannt werden. Und wer weiss: Vielleicht wartet in der ersten Runde ja ein Rekord-Grand-Slam-Sieger. Es gibt schlechtere Lose für eine Karriere-Erinnerung.
Mein Kommentar: Die richtige Antwort auf Alcaraz
Heute Morgen habe ich mich in meinem Kommentar zum Wien-Entscheid von Carlos Alcaraz noch geärgert. Ich habe geschrieben, dass am Schluss nur noch einer der Gentleman ist: Roger Brennwald. Ein paar Stunden später sieht es so aus, als würde sich genau das auszahlen.
Basel hat nicht lange gejammert, sondern gehandelt. Und zwar so, wie ich es mir schon beim Alcaraz-Entscheid gewünscht hätte: schnell. Während der eine eine unerwartet freie Woche füllt, sagt der andere «sehr gerne» zu. Der Unterschied liegt nicht nur im Ranking oder im Alter. Er liegt im Stil.
Alcaraz mag die Zukunft des Tennis sein. Aber diese Woche hat Basel die Gegenwart gewonnen. Und die hat 24 Grand-Slam-Titel.
Tennis Schweiz live vor Ort
Wir sind vom 24. Oktober bis 1. November die ganze Woche in der St. Jakobshalle und berichten über Djokovics Rückkehr, Stans Abschied und alle Schweizer an den Swiss Indoors 2026. Und falls es zum Duell Djokovic gegen Wawrinka kommt: Taschentücher sind bei uns schon eingepackt.





